Atommüll Marshall-Inseln: Radioaktive Kuppel im Pazifik droht zu zerfallen. Steigender Meeresspiegel und Klimakrise verschärfen die Gefahr.
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Mitten im Pazifik liegt ein Ort, der vielen Menschen als Symbol für eine der größten Umweltsünden gilt: das sogenannte „Grab“ (engl. „The Tomb“) auf den Marshall-Inseln. Unter einer massiven Betonkuppel (Durchmesser: mehr als 100 Meter) lagert radioaktiver Müll aus den US-Atomtests – und die Konstruktion kommt in die Jahre.
Der furchterregende Sarkophag wurde Ende der 1970er-Jahre auf Runit Island über einem Krater errichtet, der durch einen Atomtest entstanden war. In diesem Loch landeten zehntausende Kubikmeter kontaminierter Boden und radioaktiver Schutt. Das Problem: Der Untergrund wurde nie abgedichtet. Das Material liegt also direkt auf porösem Korallengestein und hat Kontakt zum Meerwasser.
Die Vorgeschichte ist dramatisch. Zwischen 1946 und 1958 führten die USA auf den idyllischen Marshall-Inseln 67 Atomtests durch. Ganze Inseln wurden dafür geräumt, Bewohner verloren ihre Heimat. Die Explosionen entsprachen insgesamt mehr als 7.000 Hiroshima-Bomben.
Heute bereitet der Zustand der Kuppel im Enewetak-Atoll Sorgen. Inspektionen zeigen Risse und Abblätterungen im Beton. Zwar sehen US-Behörden aktuell keine akute Einsturzgefahr, doch Wasser dringt durch den Boden ein und aus. Dadurch könnten radioaktive Partikel ins Meer gelangen.
Die Lage rund um den „Atom-Sarg“ ist komplex, denn Studien zeigen: Der Großteil der radioaktiven Belastung stammt nicht direkt aus der Kuppel, sondern aus den Sedimenten am Meeresgrund – Überreste der damaligen Tests. Das „Grab“ ist damit eher Teil eines viel größeren Problems.
Die Klimakrise bringt zusätzlichen Druck: Der Meeresspiegel steigt, Sturmfluten werden stärker. Experten warnen, dass der Beton-Sarkophag künftig häufiger überspült werden könnte. Das erhöht das Risiko einer Verbreitung radioaktiver Stoffe.
Für die Bewohner des ozeanischen Inselstaats ist die Gefahr durch den „Atom-Sarg“ real. Viele Menschen leben vom Fischfang – und sorgen sich um ihre Gesundheit. Gleichzeitig fehlt es den Insulanern an Geld und Technik, um das Problem selbst zu lösen.
Politisch ist die Lage heikel. Die USA sehen ihre Verantwortung weitgehend als erledigt, stehen aber international zunehmend unter Druck. Die UNO fordert Unterstützung für die betroffenen Menschen.